Jedes Kind kann und will lernen - wenn es nicht daran gehindert wird

Kinder sind Lernmeister. Unglaublich, was sie in wenigen Monaten und Jahren alles an Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen aufsaugen. Sie lernen von kleinauf einfach alles: Sprechen in ein, zwei, manchmal sogar drei Sprachen. Gehen, Laufen, Radfahren, Spielregeln, Wege, Schuhezubinden, mit Tieren umgehen, Handlungsabläufe und, und, und. All dies wird nicht gelernt, weil das Kind MUSS, sondern weil es einen natürlichen Lerndrang verspürt. All dies wird gelernt, wenn es "dran" ist und sofort in Handlungen umgesetzt. Mit jedem Lernschritt werden neue Freiheiten entdeckt und in Besitz genommen.

Damit ist oft Schluss, wenn Kinder in die Schule  kommen.

Plötzlich ist sehr viel Stillsitzen angesagt. Und es gilt zu lernen, was der Lehrer vorgibt. Statt Entdeckerfreude tritt der Leistungsdruck ins Leben - und dann sind da ja auch noch die leidigen Hausaufgaben. Zudem - und seien wir ehrlich - sehen es viele Lehrer und Lehrerinnen nicht als ihre vordringlichste Aufgabe an, den Lernstoff mit Spaßfaktor zu präsentieren und so die Motivation der Schüler zu wecken und zu halten. Auf diese Weise kann Schule zu einer sehr unangenehmen Veranstaltung werden. Und die Lust am Lernen ist perdu. Die Abwärtsspirale ist dann ganz simpel. Frust und Langeweile potenzieren sich, Vokabeln und Matheformeln werden nicht gelernt, Wissenslücken vergrößern sich, schlechte Noten und Vorwürfe folgen auf dem Fuße. Irgendwann ist der Anschluss verloren und der unerledigte Lernberg so groß, dass das Kind keine Chance für sich mehr sieht.

 

Wenn ich mit Kindern zu arbeiten beginne, sind die erstmal ziemlich ratlos, was das wohl alles werden soll. Wenn ich sie frage, was sie sich in Bezug auf ihr Lernen wünschen, dann lautet die Antwort oft so: "Ich wünschte, ich müsste nicht zur Schule gehen". / "Ich wünschte, es gäbe kein Mathe". / "Ich wünschte, ich müsste nicht dieses ganze Zeug lernen, dass ich im ganzen Leben nie wieder brauchen werde". / "Ich wünschte, Ich hätte andere Lehrer". Eine 14-jährige sagte sogar mal: "Ich wünschte, ich wäre schon 18 und hätte die Schule hinter mir".

Ich gebe zu: Bei diesen Wünschen kann ich nicht weiterhelfen.

Wobei ich aber helfen kann: die Freude am Lernen wiederzufinden. Der Weg dorthin ist bei jedem Schüler unterschiedlich. Mal müssen Ängste abgebaut werden. Mal konstruktive Verhaltensweisen für Frust-Momente gefunden werden. Immer hilft es, ein Ziel zu formulieren, einen Plan zu machen und den Lernberg in kleine Hügelchen aufzuteilen. Und dann sind da noch die verschiedenen Lerntricks, die langweiliges Pauken in ein Spiel verwandeln können. Das sind die besten Momente in meiner Arbeit: Wenn die Schüler mich plötzlich angrinsen und sagen "Ey, dass macht ja Spaß".